Yvette und die starken Männer

Schwere Dinge machen die Gartenarbeit manchmal… schwer. Und manche Männer machen Schweres leicht. Aber dass mit den Muckis im Garten automatisch das Glück einzieht, ist eine Illusion.

Wieder einen Kraftakt alleine gemeistert: Die Feigenbäumchen stehen im Winterlager.
Wieder einen Kraftakt alleine gemeistert: Die Feigenbäumchen stehen im Winterlager.

Grad hab ich noch meine beiden Feigenbäumchen vor dem Erfrieren retten können. Macht dann zweimal Nackenweh. Denn die Dinger sind huere schwer, und mein oberster Rücken verkrampft sich beim Anheben der Töpfe jedes Mal vor Entsetzen. Den Rest des Tages verbringe ich jeweils mit Wärmepflastern und Dafalgan. Ähnliches passiert, wenn ich Säcke mit Sand, saurer Erde oder Holzschnitzel, Boxen mit Feuerholz und Aktionskohle in der XXL-Verpackung herumschleppe.

Man gewöhnt sich daran. Bleibt die Frage: Warum eigentlich habe ich nicht einen Kerl an meiner Seite, der all diese schweren Dinge für mich erledigt? Seit Jahren träume ich von dem Mann, mit dem ich stundenlang friedvoll Seite an Seite jäten und nach getaner Arbeit mit einem kühlen Bier anstossen kann, auf dem Bänkli sitzend, in hungriger Vofreude auf die abendliche Grillade. Ich würde dann Salat zubereiten, er alles Nötige aus dem Schopf holen und schon mal Feuer machen.  

Ein Lob auf die Kerle in meinem Leben

Nun, ich kenne zum Glück ein paar starke Männer, die bei grösseren Projekten einspringen. Mein Sohn hat die Ecke der Wassertonnen komplettsaniert, mein Schwager die Solaranlage montiert, mein Ex das gefallene Johannisbeerbäumli aufgerichtet und fachmännisch an einem Holzpfahl befestigt. Carl* und Anton haben mir vor Jahren das kleine Tomatenhaus vom alten in den neuen Garten gezügelt. Hingegen haben fünf von sechs Herrenbekanntschaften der letzten Jahre nie einen Fuss in meinen Garten gesetzt. Das war okay.

Dann kam Ueli. Ein liebenswürdiger Mensch. Und sportlich. Als er mich im Frühling das erste Mal in den Garten begleitete, schaute er sich neugierig um und fand alles toll. Ich servierte Kaffee und warme Rhabarberwähe und er fands noch toller. Kurz bevor wir den Garten wieder verliessen, entdeckte er eine lose Regenrinne. Hast Du mal ein wenig Klebeband, fragte er, und fixierte das Rohr innert zwei Minuten. Das Klebeband riss er gleich mit den Zähnen ab, roarrr. Ich stand daneben, bestaunte seinen Bizeps und war hin und weg. Schon sexy, so ein begabter Handyman, fand ich. Was war ich glücklich.

Kaffee gibts bei mir immer. Oft auch mit Kuchen.
Kaffee gibts bei mir immer. Oft auch mit Kuchen.

Die Laufschuhe: Ein Signal, das ich übersehen habe?

Beim zweiten Besuch im Garten trug Ueli Laufschuhe und fragte, ob es okay sei, wenn er zwischendurch kurz eine Runde joggen gehe. Klar, sagte ich. Zum Zvieri war er zurück. Beim nächsten Mal half er mir jäten, aber es war schon Nachmittag, und nach zwanzig Minuten rief er, oje, schon wieder so spät. Er musste auf den Zug, nach Hause in eine andere Ecke der Schweiz. Als er im Juni dem Flieder einen tadellosen Schnitt verpasste, keimte bei mir wieder schüchterne Hoffnung auf. Im Sommer bekamen wir Streit, als er behauptete, er könne Feuer machen, aber dann keine Glut hinkriegte und ich nervös wurde, weil ich ein paar Gäste zum Grillen erwartete. Später am Tag stellte sich heraus, dass er mit dem Wenden der Kartoffeln überfordert war. Beim folgenden Besuch im Garten sass er tatsächlich auf dem Bänkli. Und schaute lächelnd zu, wie ich ein Rankgerüst für den Spinat baute und dabei fluchte. Ueli ist nicht mehr an meiner Seite.

Die Sommerliebe ist nicht wegen Uelis durchzogenem Einsatz im Garten verblüht. Wenn ich ehrlich bin: Mehr Hilfe hätte der Liebe auch nicht geholfen. Jäten kann ich sowieso selber am besten. Wenn ich mich mit Bauprojekten abmühe, schaut besser keiner zu. Kaffee und Kuchen gibts nach wie vor für alle Besucher. Und beim nächsten Mann genügt es wieder, wenn er das Feuer in mir entfacht. Um das im Cheminée kümmern sich andere.

Schrebergarten-Regel Nr. 2: Laufschuhe sind zum Laufen da.

*Alle Namen sind geändert. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind kein Zufall.

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Schuld sind immer die Gartennachbarn