Ich schrebere also bin ich
Warum ist der Mais der Johnsons fast doppelt so hoch wie meiner? Wer frisst mir jedes Jahr die Hälfte der Kartoffeln weg? Wie kaschiere ich 50 Quadratmeter Unkraut in zehn Minuten? Wann hört Nachbarin Margrit endlich auf, mir Gratistipps zu geben?
Diese und viele weitere Fragen treiben mich seit ein paar Jahren regelmässig um – seit ich einen Schrebergarten habe nämlich. Ich weiss, man sagt nicht mehr Schrebergarten, das ist politisch nicht mehr korrekt. Aber auch Pestizide und chemischer Dünger sind nicht mehr comme il faut, und doch kommen sie immer noch zum Einsatz, leider. Der Schreber-, Familien-, Klein- oder Leihgarten ist voller politischer Unkorrektheiten. Es herrschen Neid, Chemie, Boshaftigkeiten, Lärm, Schmutz, Trockenheit und Überschwemmungen. Aber es gibt auch viel Lachen, Hilfsbereitschaft, Wohlwollen und Austausch. Es erblühen Blumen und spriessen zarte Freundschaften. Es gibt immer etwas zu sehen und zu säen, zu ernten und zu staunen. Ich bin Yvette, ich bin 56 und und um keinen Preis der Welt möchte ich aus diesem Mikrokosmos je wieder ausziehen.
Yvette
Alle Bilder sind von mir, wenn nicht anderweitig deklariert.