Alle Mann an die Maschinen
Kommt ein elektrisches Gartengerät zum Einsatz, hängt am anderen Ende meist ein Mann (Bild: Alexas_Fotos/Pixabay)
So ein Kleingartenjahr hält ja für den Kleingärtner einige Highlights bereit, und dabei spreche ich nicht etwa von der Tulpenblüte oder dem Mäusefangen oder der Kampfgrillade zum 1. August. Vielmehr lädt der Vereinsvorstand regelmässig zum lustigen Zusammensein: Generalversammlung, Aufräumtag, Gartenkontrolle, Spaghettiessen und was der Gartenfreuden mehr sind. Als brave Neogärtnerin versuchte ich anfangs überall mitzutun. Besonders gern denke ich an mein erstes kollektives Aufräumen zurück.
Die Freuden des Kleingärtnerdaseins: Viele gesellige Anlässe.
Es war ein nieseliger Samstagmorgen im Mai, als sich drei Frauen und fünf Männer vor dem Vereinshaus trafen. Ich, stolz grinsend in meinen nigelnagelneuen Regenhosen, die noch leicht chemisch rochen, reichte allen die Hand und stellte mich vor. Die anderen schienen mir seltsam angespannt. Dann kam Werner* vom Vorstand und zählte die zu verrichtenden Arbeiten auf. Bei Punkt drei schrien vier der Männer im Chor «ich schneide die Hecke» und spurteten los wie bei einer Feuerwehrübung. Nach zwei Minuten waren sie zurück, zwei von ihnen mit zufriedenem Ausdruck im Gesicht und je einer elektrischen Heckenschere in der Hand. Die anderen beiden schleppten grosse Kabelrollen und murmelten Sätze wie «ich löse Dich dann ab, gell».
Wer keine Heckenschere hat, kommt zur Frauengruppe
Das arme Schwein von einem Mann, das sich zu spät zum Heckenschneiden gemeldet hatte, wurde der Frauengruppe zugeteilt. Er sei der Antonio, sagt der kleine, dürre Italiener mit einem schüchternen Lächeln. Dann begab er sich mit uns zu den Beeten, die zu jäten waren, und den Gehwegplatten, aus deren Zwischenräumen es das Unkraut herauszuklauben galt. Während Werner schon mal das Feuer machte für das spätere Essen, kniete die Jätfraktion auf dem Boden und liess sich den Regen in den Kragen rieseln. An der Lebhecke standen zwei Männer stolz auf Klappleitern und führten ihre brüllenden Maschinen durchs Holz. Die Kabelträger schauten ihnen sehnsüchtig von unten zu.
Am Aufräumtag ist Jäten Frauenarbeit... (Bild: summa/Pixabay)
Nach zwanzig Minuten sagte Antonio: Komm, zeige Dir Garten. Ich folgte ihm ein paar Meter den Kolonienweg hinunter und durch den schmalen Eingang in eine Parzelle. Die anderen beiden Frauen kamen hinterher. Und dann standen wir da staunend in einem kleinen, quadratischen Garten, der in der Mainässe hellgrün leuchtete. Gelbe und rote Tulpen wuchsen am Rand der winzigen Wiese, rundherum begrenzten niedrige Obstäume das Miniparadies. Apfel, zählte Antonio auf, Aprikose, und hier fein!, Chriesi. Wir Frauen schnupperten an den zarten Blüten und machten «Ah» und «Oh». Antonio strahlte. Zurück beim Unkraut, tauschten wir uns über den Schnitt von Obstbäumen aus und über den Sonnenbedarf von Aprikosen. Dass bei der Heckenfraktion ein kleines Missgeschick passierte, bemerkten wir nur am Rande, und nur weil der Lärm sich plötzlich halbierte: Irgend jemand hatte im Arbeitseifer ein Kabel zerschnippelt, eine der elektrischen Scheren musste durch eine mechanische ersetzt werden.
...während die elektrische Heckenschere klar in Männerhände gehört (Bild: Motorgeräte Koch)
Beim gemeinsamen Fleischkäse mit Kartoffelsalat war Antonio umringt von plaudernden Frauen und redete lächelnd mit. Werner und die Scherenmänner sprachen am anderen Tischende mit ernsten Minen über Kabellängen und -farben. Ich versuchte, mich in meinen steifen Regenhosen bequem hinzusetzen, und grinste in mich hinein.
Keine Ahnung, ob dieses Jahr der übliche Plan des Gartenvereins durchgezogen wird. An den Anschlagbrettern hängt immer noch der Zettel vom letzten Jahr. Jetzt ist ja Corona, und alles ist ein wenig anders. Nun, ich werde es auch ohne Vereinsmeierei durchs Gartenjahr schaffen. Aber aufräumen mit Antonio würd ich sofort wieder.
Meine schönste Erinnerung ans Jahresprogramm des Gartenvereins: Antonios blühende Obstbäumchen.
Gartenregel Nr. 4: Kommt ein elektrisches Gartengerät zum Einsatz, hängt am anderen Ende meist ein Mann.
Kommt ein elektrisches Gartengerät zum Einsatz, hängt am anderen Ende meist ein Mann (Bild: Alexas_Fotos/Pixabay)
So ein Kleingartenjahr hält ja für den Kleingärtner einige Highlights bereit, und dabei spreche ich nicht etwa von der Tulpenblüte oder dem Mäusefangen oder der Kampfgrillade zum 1. August. Vielmehr lädt der Vereinsvorstand regelmässig zum lustigen Zusammensein: Generalversammlung, Aufräumtag, Gartenkontrolle, Spaghettiessen und was der Gartenfreuden mehr sind. Als brave Neogärtnerin versuchte ich anfangs überall mitzutun. Besonders gern denke ich an mein erstes kollektives Aufräumen zurück.
Die Freuden des Kleingärtnerdaseins: Viele gesellige Anlässe.
Es war ein nieseliger Samstagmorgen im Mai, als sich drei Frauen und fünf Männer vor dem Vereinshaus trafen. Ich, stolz grinsend in meinen nigelnagelneuen Regenhosen, die noch leicht chemisch rochen, reichte allen die Hand und stellte mich vor. Die anderen schienen mir seltsam angespannt. Dann kam Werner* vom Vorstand und zählte die zu verrichtenden Arbeiten auf. Bei Punkt drei schrien vier der Männer im Chor «ich schneide die Hecke» und spurteten los wie bei einer Feuerwehrübung. Nach zwei Minuten waren sie zurück, zwei von ihnen mit zufriedenem Ausdruck im Gesicht und je einer elektrischen Heckenschere in der Hand. Die anderen beiden schleppten grosse Kabelrollen und murmelten Sätze wie «ich löse Dich dann ab, gell».
Wer keine Heckenschere hat, kommt zur Frauengruppe
Das arme Schwein von einem Mann, das sich zu spät zum Heckenschneiden gemeldet hatte, wurde der Frauengruppe zugeteilt. Er sei der Antonio, sagt der kleine, dürre Italiener mit einem schüchternen Lächeln. Dann begab er sich mit uns zu den Beeten, die zu jäten waren, und den Gehwegplatten, aus deren Zwischenräumen es das Unkraut herauszuklauben galt. Während Werner schon mal das Feuer machte für das spätere Essen, kniete die Jätfraktion auf dem Boden und liess sich den Regen in den Kragen rieseln. An der Lebhecke standen zwei Männer stolz auf Klappleitern und führten ihre brüllenden Maschinen durchs Holz. Die Kabelträger schauten ihnen sehnsüchtig von unten zu.
Am Aufräumtag ist Jäten Frauenarbeit... (Bild: summa/Pixabay)
Nach zwanzig Minuten sagte Antonio: Komm, zeige Dir Garten. Ich folgte ihm ein paar Meter den Kolonienweg hinunter und durch den schmalen Eingang in eine Parzelle. Die anderen beiden Frauen kamen hinterher. Und dann standen wir da staunend in einem kleinen, quadratischen Garten, der in der Mainässe hellgrün leuchtete. Gelbe und rote Tulpen wuchsen am Rand der winzigen Wiese, rundherum begrenzten niedrige Obstäume das Miniparadies. Apfel, zählte Antonio auf, Aprikose, und hier fein!, Chriesi. Wir Frauen schnupperten an den zarten Blüten und machten «Ah» und «Oh». Antonio strahlte. Zurück beim Unkraut, tauschten wir uns über den Schnitt von Obstbäumen aus und über den Sonnenbedarf von Aprikosen. Dass bei der Heckenfraktion ein kleines Missgeschick passierte, bemerkten wir nur am Rande, und nur weil der Lärm sich plötzlich halbierte: Irgend jemand hatte im Arbeitseifer ein Kabel zerschnippelt, eine der elektrischen Scheren musste durch eine mechanische ersetzt werden.
...während die elektrische Heckenschere klar in Männerhände gehört (Bild: Motorgeräte Koch)
Beim gemeinsamen Fleischkäse mit Kartoffelsalat war Antonio umringt von plaudernden Frauen und redete lächelnd mit. Werner und die Scherenmänner sprachen am anderen Tischende mit ernsten Minen über Kabellängen und -farben. Ich versuchte, mich in meinen steifen Regenhosen bequem hinzusetzen, und grinste in mich hinein.
Keine Ahnung, ob dieses Jahr der übliche Plan des Gartenvereins durchgezogen wird. An den Anschlagbrettern hängt immer noch der Zettel vom letzten Jahr. Jetzt ist ja Corona, und alles ist ein wenig anders. Nun, ich werde es auch ohne Vereinsmeierei durchs Gartenjahr schaffen. Aber aufräumen mit Antonio würd ich sofort wieder.
Meine schönste Erinnerung ans Jahresprogramm des Gartenvereins: Antonios blühende Obstbäumchen.
Gartenregel Nr. 4: Kommt ein elektrisches Gartengerät zum Einsatz, hängt am anderen Ende meist ein Mann.
*Alle Namen sind geändert. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind kein Zufall.